Berichte zum 100 jährigen bestehen des SVB

100 Jahre SV 1914 Bingerbrück

Bericht AZ Bingen v. 07.05.2014

 

 

Von Jochen Werner

BINGERBRÜCK - Vor 100 Jahren trafen sich im Bingerbrücker Gasthaus „Zur Rose“ begeisterte Fußballer beider Konfessionen und hoben ihren Sportverein aus der Taufe. Das damals schon akute und lange bestimmende Thema des SV 1914 Bingerbrück war alsdann die Sportplatzfrage. Schon vorher waren die 1910 gegründete Borussia und die Fußball-Abteilung des katholischen Jünglingsvereins daran gescheitert, die Borussia zerfiel gar 1913.

Beim SVB ließ man sich unter dem Vorsitz von Jakob Bonacker nicht entmutigen. Auf dem „Kleeacker“ mitten im Ort konnte man ein bisschen kicken, im Krieg ging man eine Notgemeinschaft mit der BFV Hassia ein, die Weihnachten 1916 sogar gegen den Deutschen Meister FV Karlsruhe antrat und 3:11 verlor. Ein knappes Jahr nach Kriegsende hatte der SVB endlich seinen ersten eigenen Platz in den Rheinkribben. Hier schritt die Entwicklung mit Karl Mack als Vorsitzendem (1924 bis 1936) fort, die Fußballer stiegen in die zweithöchste Liga des Spielgaues, die Bezirksklasse, auf. Die musste 1929 schon wieder verlassen werden: Fahrten nach Idar-Oberstein und Birkenfeld wurden zu aufwendig.

 

Umbruch im Verein Die Rheinkribben waren für einen Sportplatz ohnehin alles andere als ideal: Immer wieder gab es Hochwasser. Also zog der SVB auf die Elisenhöhe, wo er den Planungen für ein Bismarckdenkmal Platz machen und nach kurzen Zwischenspiel wieder zurück in die Kribben musste. Kurz vor Kriegsbeginn erfolgte ein Zusammenschluss mit Teutonia Weiler, dann war ein Jahrzehnt lang Schluss mit Fußball.

Mit der Wiedergründung 1949 durch Männer wie Josef Maurer, Hermann Orschau und Philipp Fuß – wie könnte es anders sein – stand die Sportplatzfrage sofort im Mittelpunkt. Im April 1949 wurde erstmals wieder Fußball gespielt, im August 1951 wurde das von der Gemeinde zugesagte neue Spielgelände an der Herterstraße fertiggestellt. Allein: Mehr als ein Jahr Freude mit der Meisterschaft in der C-Klasse war dem SVB nicht beschieden. Bereits 1952 beanspruchte die Kommune den Platz zurück: Die Schule sollte hier gebaut werden.

 

Vier Jahre später konnte die Gemeinde eine Wiese im Bangert ankaufen, mit einem Höhenunterschied von Tor zu Tor von knapp zehn Metern. US-Einheiten, von Engelbert Lippert und Dr. Richarz kontaktiert, bewegten über 60000 Kubikmeter Fels und Erde, und fertig war der neue Stolz des SVB. Einen Umbruch im Verein gab es nach dem Führungswechsel von Josef Maurer zu Georg Kneisch 1970. Schwimmen und Tischtennis kamen nach dem Bau des Freibades hinzu. Die Schwimmer wurden schnell zum Aushängeschild des Vereins, das Rhein-Nahe-Eck-Schwimmen brachte jährlich viele hundert Aktive nach Bingerbrück. Auf sie blickt man mit ein wenig Wehmut zurück, denn 2010 war wegen des zuvor erfolgten Umbaus zum Naturbad die Trennung unvermeidlich: Das neugegründete „Schwimm Team Bingerbrück“ trainierte da schon längst in der Rheinwelle. Der SV verlor auf einen Schlag ein Drittel seiner damals 600 Mitglieder. Die Fußballer spielen seit dem Aufstieg 1985 in der A-Klasse, kämpfen aber im Jubiläumsjahr in der neugegründeten Spielgemeinschaft mit Teutonia Weiler massiv gegen den Abstieg.

Im Mai 1983 finanzierte und baute sich der SVB sein Vereinsheim. Dieses und der Sportplatz wurden seit den 1990ern zur großen Herausforderung. Kneisch, heute Ehrenvorsitzender, hatte nach 25 Jahren das Ruder an Bernd Braun weitergegeben. Der seit 1995 amtierende Vereinschef durfte nach langem Kampf nicht nur zusammen mit der früheren OB Birgit Collin-Langen den neuen Kabinentrakt einweihen, sondern vor neun Monaten auch den Kunstrasen, der seither den alten Hartplatzbelag ersetzt.

 

Die Voraussetzungen sind heute andere als bei der Gründung. Dennoch steht im SVB nach wie vor der Sport und der Spaß am Zusammensein an erster Stelle. Die in den letzten Jahren forcierte Jugendarbeit trägt erste Früchte und soll dafür sorgen, dass der Verein unbeschwert in sein zweites Jahrhundert einsteigen kann. Mit dem Spiel der Lotto-Elf am Donnerstag (8. Mai) und dem Festakt pünktlich zum Kerbefreitag (16. Mai) stellt sich der SVB vor und feiert gemeinsam mit allen Mitgliedern und Freunden.

 

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bingen/bingen/sv-bingerbrueck-vor-100-jahren-gegruendet_14115310.htm